die Wintu-Sprache

Wintu wird zur weitverzweigten und stark ausdifferenzierten Gruppe der Penuti-Sprachfamilie gerechnet, zu der auch indianische Sprachen in den US-Bundesstaaten Kalifornien, Oregon, Idaho und Washington gehören, wie Chinook, Klamath-Modoc, Yakima, Nez Perce, Maidu, Yokuts, und Miwok-Costanoan. Extrem entfernte Verwandtschaftsbeziehungen gibt es nach neuesten Forschungen auch über die Penuti-Gruppe hinaus, einerseits nach Norden bis nach Alaska (Tlingit-Eyak-Athabaskan), andererseits nach Süden bis Mittelamerika (Maya) und Bolivien (Quechua).

Die Wintu-Sprache galt in der Literatur früh als Musterbeispiel für den Zusammenhang zwischen Sprache und Denken oder Weltsicht (Lee, Dorothy D. 1944. Linguistic reflection of Wintu Thought. International Journal of American Linguistics 10: 181.187). Ein paar wenige Beispiele mögen hier genügen.
 

Eintönigkeit statt Vielfalt

Vor Ankunft der Weißen war Kalifornien weltweit – neben Gebieten wie Papua-Neuguinea – eine der Regionen, die die größte  Sprachenvielfalt auf relativ kleinem Raum aufwiesen. Alle kalifornischen Völker waren zwei-, drei- und mehrsprachig, bewahrten sich aber immer ihre eigene Sprache. Mehrsprachigkeit im Kindesalter hat erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Entwicklung der individuellen und sozialen Intelligenz. Bei Chancengleichheit für alle Sprachen und freier Wahl ist das Erlernen einer Zweitsprache ein Gewinn.

Heute aber beherrscht Englisch das Feld, und keine einzige mehr von den übriggebliebenen ca. 50 Indianersprachen (von ca. 100 um 1800) wird von Kindern als erste Sprache im Elternhaus gelernt.  Wenn diese Entwicklung so weitergeht, werden alle kalifornischen Indianersprachen – ohne Hilfe von außen für die Revitalisierungsbestrebungen - noch innerhalb dieser Generation aussterben.

Jede Sprache und Kultur ist eine eigene Welt für sich. Jede Sprache hat ihre eigene Sicht auf die Welt und ist das primäre Mittel der Welterschließung und ein Mikrokosmos hochspezialisierter Information. Ein direktes Beispiel dafür, wie kulturelles Wissen mit Sprachenvielfalt gekoppelt ist, ist das Verschwinden von Tier- und Pflanzenbezeichnungen. Damit verschwindet auch das kulturelle Wissen, das über Generationen mündlich weitergegeben wurde.  

Sprachverlust ist nicht nur Verlust von einmaligen Grammatik- und Bedeutungssystemen, großartigen mündlichen Überlieferungen, Identität und Selbstwertgefühl. Er bedeutet auch den Verlust von Kommunikationspraktiken und die Auflösung von Bindungen zwischen den Generationen.