die Wintu

Geschichte und Gegenwart

Vor Ankunft der Europäer bildeten die neun Untergruppen der Wintu eine der größten Stammesgruppen Kaliforniens (etwa 25.000 Menschen). Innerhalb weniger Jahrzehnte wurden sie durch Goldsucher, Viehbesitzer, Kopfgeldjäger, vergiftete Nahrung und die US-Armee bis auf einige hundert Menschen ausgerottet.

Heute sind nur drei Wintu-Gruppen übrig: Winnemem, Norelmaq, Toyon. Nur die entlang des McCloud River lebende kleine Gruppe von Winnemem Wintu ist der traditionellen Lebensweise ihrer Vorfahren verbunden und will diese nicht aufgeben. Diese traditionelle Wintu-Gruppe besitzt kein eigenes Reservat, nur ein wenige Hektar großes Stück Land am Bear Mountain. Sie halten jedoch durch ihre Zeremonien Verbindung zu ihren heiligen Orten in einem weiten Gebiet des dünn besiedelten Nordens von Kalifornien.

Der McCloud River fließt zwischen Sacramento und Pit River. Alle drei Flüsse münden nun in den künstlich aufgestauten Shasta Lake mit seinen sterilen Ufern. 

Jetzt bedroht die geplante Erhöhung dieses Dammes die Kultur der Wintu vielleicht massiver als je zuvor.

Schon einmal, in den späten 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, hatte der Shasta-Damm Zerstörung mit sich gebracht. Damals verloren die Winnemem Wintu einen großen Teil ihrer Stammesheimat, sowie den Lachs und damit einen wichtigen Teil ihrer Nahrungsversorgung und Unabhängigkeit. Zahlreiche Siedlungen im Kerngebiet des Stammeslandes wurden überflutet, heilige Plätze verschwanden für immer unter Wasser. 183 Gräber mussten geöffnet und die Toten des Stammes exhumiert und umgebettet werden. 

Durch die jetzt geplante Erhöhung des Staudammes würden weitere vierzig Zeremonialplätze für immer unter den Wassermassen des Shasta Lake verschwinden, die bis jetzt verschont geblieben waren, darunter Puberty Rock, wo Pubertätszeremonien für Mädchen abgehalten werden, und Children`s Rock, wo die Heranwachsenden ihre Hände auf den Felsen legen, Segen für ihr Leben und die Gabe von Talenten von der spirituellen Welt erbitten, und weitere Grabstätten, darunter ein Massengrab am Kaibai Creek, wo vor 150 Jahren weiße Siedler 42 Stammesangehörige massakrierten.

Was die Zerstörung dieser Plätze für eine Kultur bedeutet, deren Spiritualität in hohem Masse landbezogen ist, lässt sich für uns kaum erahnen.
Die traditionalistischen Wintu kämpfen an allen Fronten, so um die (ihnen seit einem angeblichen „Versehen“ der Behörden seit den 80er Jahren vorenthaltene) Wieder-Anerkennung als Stamm. Es gibt auch Erfolgsgeschichten: Der Wiederansiedlung des Lachses steht nicht mehr viel im Wege. Aber jetzt müssen sie erneut verhindern, dass Pläne zur Freisetzung von genetisch verändertem Lachs Wirklichkeit werden. 

Die kulturelle Vielfalt ist lebenswichtig
für die biologische Artenvielfalt
Weltweit breitet sich die „industrielle Zivilisation“, getrieben von Profitstreben und Wachstumsideologie, wie eine Monokultur bis in den letzten Winkel des Globus aus. Die zahllosen, nachhaltig wirtschaftenden kleineren Völker, oft pathetisch, aber zu Recht als „Hüter des Landes“ bezeichnet, sterben einen unbeachteten Tod. So gehen kulturelles und biologisches Artensterben Hand in Hand. Das angesammelte Wissen von Jahrtausenden verschwindet rasant, wodurch die Welt zu einem ärmeren und instabileren Ort wird.
Weltweit stoßen dominante  Strukturen an ihre Grenzen und beginnen zu zerbrechen. Zu einer Überlebensfrage für uns alle wird daher der Erhalt von (Jahrtausende lang bewährten) autonomen, am Gemeinwohl orientierten, nachhaltig wirtschaftenden Gemeinschaften.